Spandauer Aktionsmärz 2026 im Falkenhagener Feld
Im Rahmen des Festivals „Starke Sache“ (organisiert von den Quartiersmanagements des FF sowie dem Raum für Beteiligung) leistete die 17-jährige Anna Nikolaev einen besonderen Beitrag, indem sie auf der Bühne des Klubhauses ein selbst verfasstes Gedicht vortrug.
Mit viel Mut und Ausdruckskraft verlieh sie ihren Gedanken eine Stimme und berührte damit die Zuhörenden. Ihr Text regte zum Nachdenken an, machte persönliche Perspektiven sichtbar und zeigte eindrucksvoll, wie junge Menschen gesellschaftliche Themen reflektieren und gestalten.
Der Täter geht Frei
Anna Nikolaev
Was hat das Opfer getragen?
Die erste Frage, die fällt.
als wäre Schuld ein Stoff, ein Schnitt, ein Kleid.
Niemand fragt: Wer trug die Hände,
die Grenzen überschritten?
Ein Outfit war keine Einladung.
Ein Lächeln kein Vertrag.
Ein „Nein“ ist kein Vorschlag,
kein „Vielleicht“, kein „Schau, was du tun darfst“.
Und doch heißt es:
„Nur ein Nein ist ein Nein.“
Doch was, wenn die Kraft versagt?
Wenn Angst die Stimme lähmt?
Wenn der Körper einfriert,
die Seele Flucht wählt?
Dann wird das Nein zu einem Ja,
nicht aus Zustimmung,
sondern aus Überleben.
Nicht aus Lust,
sondern aus der Not, zu schweigen.
Es ist der Griff des Mannes,
nicht das Kleid, nicht die Uhr, nicht das Glas,
der entscheidet über Schmerz und Freiheit.
Der Mensch wird aus Verstand gesteuert, nicht nach Lust.
Keine Ausrede darf Gewalt entschuldigen.
Wer fragt „Was trug sie?“
vergisst: Jede Frau hat das Recht,
zu sein, wie sie will,
zu gehen, wann sie will,
zu trinken, wenn sie will,
zu tragen, was sie will,
ohne dass ein Nein zu einem Ja wird.
Und selbst wenn die Frau sich wehrt,
wenn sie schreit, kämpft, sich schützt,
wenn Videomaterial Zeuge wird
– am Ende trägt sie die Strafe,
und der Täter geht frei.
Das Festival „Starke Sache“ fand im Rahmen des Spandauer Aktionsmärz statt. Der Spandauer Aktionsmärz ist eine Veranstaltungsreihe, die jedes Jahr im März zahlreiche Aktionen, Projekte und Veranstaltungen in Spandau bündelt. Entstanden ist er aus dem Zusammenschluss des Spandauer Mädchen- und Frauenmärz mit den Internationalen Wochen gegen Rassismus. Gemeinsam machen sie auf die Themen Gleichstellung, Vielfalt, Antidiskriminierung und gesellschaftlichen Zusammenhalt aufmerksam.
Der Aktionsmärz wird von zahlreichen Vereinen, Initiativen, Einrichtungen, Trägern und engagierten Menschen aus dem Bezirk. Mit seinem vielfältigen Programm sensibilisiert er für die Auswirkungen von Sexismus und Rassismus, schafft Räume für Begegnung und Austausch und stärkt zugleich das Netzwerk engagierter Akteur*innen in Spandau. So wird jedes Jahr die Vielfalt des Bezirks sichtbar und ein Zeichen für ein respektvolles und solidarisches Miteinander gesetzt.
Weitere Informationen: Spandauer Aktionsmärz – Berlin.de
Natasha von Reinersdorff hat das Festival fotografisch begleitet und ist Urheberin von Annas Foto. Instagram: natasha_ellafotoo

