















Musikinstrumente selbst bauen, ist die Devise, denn kaufen kann jeder
Klang-Holz auf der Zitadelle Spandau war schon eine Institution im Bezirk, als er noch kein eingetragener Verein und nicht Mitglied im ParitĂ€tischen Wohlfahrtsverband war. FrĂŒher einmal werkelten auf der Renaissancefestung die Folizei-Feuerwerker auf der Suche nach Hinterlassenschaften einer Forschung zur chemischen KriegsfĂŒhrung. GlĂŒcklicherweise wurde kaum etwas gefunden. Als dann die Zitadelle wieder zur allgemeinen Nutzung freigebenen wurde, kam der alte Kunstamtsleiter Gerd Steinmöller auf die Idee, die vormals ausschlieĂlich militĂ€risch genutzte Festung zu einem Ort des Handwerks und der Kunst zu machen.
Der Intsrumentenbauer Norbert Dobisch mit seiner Werkstatt Klang-Holz (Haus 4) und die Bildende KĂŒnstlerin Dorothea Nerlich mit ihrer Keramik-Werkstatt (am Hafen unter der Kusnstbastion) waren die "ersten zivilen Nutzer". Aus der Werkstatt Klang-Holz entwickelte sich der Verein Klang-Holz. Viele, die dort ein Musikinstrument bauten, wollten auch weiterhin dabei bleiben.
Musikinstrumentenbau – ein groĂes Geheimnis?
FĂŒr viele ist der Bau von Musikinstrumenten ein Mysterium. Um manche Musikinstrumente ranken sich Mythen und groĂe Geheimnisse. Der Geigenbau ist das Paradebeispiel dafĂŒr. Was wird nicht alles in eine Stradivari oder Guarneri hineininterpretiert? Sind diese Musikinstrumente wirklich soooo geheimnisvoll und besonders? Ja und Nein!
Der Bau von Musikinstrumenten war in der Vergangenheit meist Spezialisten vorbehalten, die sich ihr gutes Handwerk – zu Recht – auch gut bezahlen lieĂen. Mit der maschinellen Fertigung wurden Musikinstrumente erschwinglicher aber gleichzeitig auch beliebiger. Gitarren werden heute im Supermarkt fĂŒr zweistellige Euro-BetrĂ€ge verramscht. Das hierbei keine QualitĂ€t zu erwarten ist, sollte allen bewusst sein. Vor allem fehlt den Instrumenten die Seele. Das mag sich jetzt etwas esotherisch anhören, ist aber so nicht gemeint.
Selbstbau bringt eine neue WertschÀtzung mit sich
Heute ist alles konsumierbar. Möchte ich etwas, dann kaufe ich es mir. mag ich es nicht mehr, dann werfe ich es weg. So einfach ist die Geschichte. Den ökologischen Gedanken dabei lasse ich einmal völlig auĂen vor. Wie auch in anderen Bereichen, bedeutet die intensive BeschĂ€ftigung mit einer Sache gleichzeitig auch eine besondere WertschĂ€tzung. Das VerstĂ€ndnis fĂŒr die HintergrĂŒnde und sei es nur den Aufwand bei der Herstellung, lĂ€sst jeden anders mit dem fertigen Ergebnis umgehen. Gerade weil heute kaum jemand im Rahmen seiner Arbeit ein vollstĂ€ndige produkt, sondern höchstens ein en winzigen Baustein produziert, ist die Sehnsucht groĂ, einmal alles komplett selbst zu machen. Selbst machen ist angesagter denn je.
Klang-Holz geht diesen Weg seit rund 20 Jahren. Jeder soll die Möglichkeit haben, sein Wunschinstrument selbst zu bauen. Unter fachkundiger Anleitung wird dies auf der Zitadelle im Haus 4 seit vielen Jahren erfolgreich praktiziert. Die Motivation von Norbert Dobisch, der diese Werkstatt ins Leben gerufen hat, war Anfangs der Wunsch ein eigenes Instrument zu haben, welches nach eigenen Vorstellungen gestaltet wurde. Aus dem Selbstbau wurde die Anleitung zum Selbstbau. Nach dem Tod von Norbert Dobisch fĂŒhrten die Vereinsmitglieder diese Idee weiter. Nadja Dittmar nahm die Geschicke der Werkstatt in die Hand und baute dabei die Arbeit mit Kindern weiter aus.
Trommelbau im Falkenhagener Feld Ost
Klang-Holz hat schon immer auch auĂerhalb seiner RĂ€ume Workshops zum Musikinstrumentenbau angeboten. Sei es in einer Bbehindertenwerkstatt in Halberstatt oder einem Museum in Bonn. In den Sommerferien startete im Klubhaus an der WesterwaldstraĂe ein vom Quartiersmanagement im Falkenhagener Feld Ost gefördertes Projekt, bei dem sich Kinder eine hochwertige Trommel bauen konnten. Dabei ging es nicht darum, aus einem Blumentopf und ein wenig Papier eine "Trommel zu fertigen. Das Instrument sollte schon etwas besonderes sein! Das Bauangebot fĂŒr Kinder konnte mit einer Förderung durch das Quartiersmanagement kostenlos angeboten werden. Es gibt sie also noch, die kostenlosen Angebote fĂŒr Kinder in den Ferien!
Ein weit verbreitetes Vorurteil sagt, MÀdchen wÀren handwerklich nicht begabt, Jungen wÀren immer besser. Im Trommelbau-Workshop zeigte es sich, MÀdchen waren meist geduldiger, aufmerksamer und sorfÀltiger bei der Sache.
Die Spandauer Handtrommel
Wer Trommel hört, denkt oft an die Afrikanische Djembe. Die Djembé ist eine einfellige Bechertrommel aus Westafrika, deren Korpus aus einem ausgehöhlten Baumstamm besteht. Sie hat Form eines "Eierbechers" und ist mit einem sehr dicken Fell bespannt, welches nicht nur krÀftige SchlÀge vertrÀgt, sondern diese auch erfordert, wenn man ihr Töne entlocken möchte.
Etwas anders gestrickt ist die orientalische Darbuka (auch Darabukka und Darbukka). Becherförmig, wie die Djembe aber viel kleiner, ist sie mit einem hauchdĂŒnnen Fell bespannt. Ihr können schon mit dem sanften Tipp der Fingerspitzen Töne entlockt werden.
Die Spandauer Handtrommel versucht den Spagat zwischen diesen beiden Varianten. Sie ermöglicht gleichermaĂen das krĂ€ftige Spiel mit der flachen Hand, aber auch das sanfte mit den Fingerspitzen.
"Die Spandauer Handtrommel trĂ€gt in sich eine groĂe Vielfalt von Ausdrucksmöglichkeiten. Leises Tröpfeln, stetes Prasseln, hartes Peitschen lĂ€sst sich ebenso darstellen, wie sanftes, rhythmisches Wiegen, diffiziles Begleiten und harter Beat. "
Trommelkorpus in KĂŒferbauweise
Eine klassiche DjembĂ© zu bauen ist recht mĂŒhselig und vor allem eine Verschwendung von Ressourcen, weil hierzu ein Baumstamm ausgehölt werden muss. Klang-Holz hat sich schon immer bemĂŒht, Arbeitsschritte zu vereinfachen. Der Schritt, eine Trommel, Ă€hnlich wie ein Fass in KĂŒferbauweise zu bauen, war dann nicht mehr weit.
Einzelne Trommeldauben werden grob vorgefertigt. Je nach GröĂe der Trommel muss ein bestimmter Schnittwinkel eingehalten werden, um am Schluss eine saubere runde Verbindung zu ermöglichen. Die FleiĂaufgabe, die Anzahl der notwendigen Dauben und den richtigen Winkel zu bestimmen und diese dann zu schneiden und zu hobeln, hatte Klang-Holz den Kindern schon abgenommen.
Mit Hilfe eines kleinen Tricks konnten die zu einem FĂ€cher ausgelegten Dauben nach der Verleimung zum Trommelkorpus zusammengerollt werden. Manchmal sind es wirklich Kleinigkeiten, die das Leben leichter gestalten helfen. Jetzt ging es daran, aus dem "eckigen Rund" wirklich einen sauberen runden Korpus zu formen. Der Einsatz eines Hobels war fĂŒr alle Neuland. Trotzdem ging es erstaunlich gut. FĂŒr einige bedeutete es manchmal eine herbe Geduldsprobe, weil die Arbeit doch lĂ€nger dauerte, als gewĂŒnscht. Die QualitĂ€t der Arbeit lag letztendlich in der ruhigen Ausdauer, am Schluss eine glatte OberflĂ€che zu erzeugen. Ziehklinge und Schleifpapier gaben dem Kiefernholz den letzten Schliff.
Je nach Wunsch konnte der fertige Korpus gewachst oder geölt werden.
Spannseile
Ein Fell muss unter Spannung stehen, damit ein Ton entstehen kann. Die notwendigen Seile wurden – wie Zöpfe – aus dĂŒnnerem Material geflochten.
Trommelfell
Das dĂŒnne Pergament gegerbte Ziegenfell ist im trockenen Zustand viel zu spröde, um verarbeitet werden zu können. Ein Weilchen in Wasser eingelegt und schon ist es weich und flexibel. Dieses wird mit ein wenig Leim auf einen Stahlring aufgezogen. WĂ€scheklammern, als Spezialwerkzeug, lassen am Schluss eine schöne Sonnenblume entstehen.
Die geflochtenen Spannseile werden ĂŒber einen weiteren Metallring auf dem Fell und einem kleineren am FuĂ der Trommel miteinander "verbunden".
Knebel
Mit Hilfe von Knebeln werden die Seile gespannt. Feile und Schleifpapier sorgen fĂŒr saubere Kanten.
Das Spiel auf der Trommel
Wie alle anderen Instrumente auch, erfordet das Spiel auf der Trommel eine Menge Ăbung. Kinder haben den groĂen Vorteil, im Vergleich zu Erwachsenen, dass sie intuitiver – aus dem Bauch heraus – spielen. Genau dies ist mĂŒssen kopfgesteuerte Erwachsene meist erst mĂŒhselig erlernen. Wir habend das Kind in uns lĂ€ngst vergessen.
Stadtteilfest im Falkenhagener Feld
Auf dem traditionellen Stadtteilfest im Falkenhagener Feld auf den Wiesen am Wasserwerk (Falkenseer Chaussee Ecke WasserwerkstraĂe) werden die Kinder ihre Trommel vorfĂŒhren. WĂ€hrend des Bauworkshops entstand spontan ein kleiner Trommelbau-Rap, der den Bau der Trommel zum Inhalt hat.
Stadtteilfest im Falkenhagener Feld
- Samstag, der 25.8.2012 von 15 bis 20 Uhr
- www.falkenhagener-feld.de